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Gute Architektur muss nicht laut sein

20. Februar 2020

Martin Murphy von Störmer, Murphy and Partners und seine Sicht der Dinge als Architekt im Umgang mit Stadt, Geschichte und Menschen

Von Barbara Jahn

 

Das Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy and Partners ist eines jener Büros, die sich nicht in eine Schablone pressen lassen. Schon gar nicht in eine modische. Das machte einer der Partner, Martin Murphy, bei seinem Vortrag auf der ersten Hamburger Architect@Work gleich zu Beginn klar. Bevor er zur Präsentation von vier ausgewählten Projekten überleitete, skizzierte er seine Wirkungsstätte als bunte Mischung von Menschen mit unterschiedlicher Erfahrung, die keine „Signature“-Architektur machen möchten, sondern in erster Linie gute Antworten finden möchte, die ein Projekt verlangt. Denn jedes Grundstück erzählt seine eigene Geschichte.

 


© Störmer Murphy and Partners

 

Dass das ganze Team von Störmer Murphy and Partners auf den intensiven Dialog mit dem Bauherrn setzt, steht außer Zweifel. Denn schon das erste präsentierte Projekt lässt eine besondere Auseinandersetzung mit einem bestehenden Objekt durchblicken. Die Anfang der Siebziger Jahre errichtete Hauptverwaltung der Helm AG in Hamburg bildet mit dem gegenüberliegenden baugleichen Hanse-Haus ein städtebauliches Ensemble, das es zu erhalten galt. Anstatt es abzureißen entschied man sich für den Erhalt des Gebäudes, das bei laufendem Betrieb grundsaniert wurde und mit sanften Eingriffen an der Fassade in Form von schräg gefaltetem Aluminiumblech in ein neues Kapitel überführte. Während die neue Fassadenstruktur mit Licht und Schatten spielt, blieb der ursprüngliche Charakter des Baukörpers erhalten. Die Faltung setzt sich im Inneren fort – zwecks guter Akustik wurde hier mit viel Stoff gearbeitet. Ein weiteres Highlight ist die neue Brücke, die beide Gebäude in einer Höhe von 13 Metern über der stark befahrene Nordkanalstraße miteinander verbindet.

 

Das zweite Projekt, das Martin Murphy vorstellte, ist das Konzept „Travel Parks“ für Autohöfe. Der nachhaltige, ökologische Prototyp soll unter einem riesigen Glasdach, das auch energetisch genutzt werden soll, sämtliche Funktionen – von Tank- und Elektroladestationen über Kfz-Dienstleistungen bis hin zum modernen Budget-Hotel mit Business- und Familienzimmern – wie einzelne Bausteine beherbergen. Hier ist es unbedingt notwendig, auf einen starken Wiedererkennungseffekt zu setzen, der zweifellos auch durch die außergewöhnlichen Freiräume und grüne Adern zwischen den autark funktionierenden Baukörpern, zwei ineinander verschachtelte „L“s, gegeben ist.  Für einen stressfreien Aufenthalt stehen Berufskraftfahrern und Geschäftsreisenden ebenso wie Reisenden und Familien eine Vielzahl an Shops und gastronomischen Einrichtungen zur Verfügung, und auch in punkto E-Mobilität kommen alle auf ihre Kosten.

 


© Störmer Murphy and Partners

 

Dass die Fassade eine wichtige Visitenkarte in der Architektur ist, steht außer Zweifel. Die Materialwahl liegt dabei in der Verantwortung des Architekten. Ein brillantes Beispiel, was man mit einem einzigen Material – in diesem Fall weiße, doppelt gebrannter Keramik – realisieren kann, sind die „Intelligent Quarters“ in der Hamburger HafenCity. Unmittelbar im Wasser gelegen erhebt sich dort der 18-geschossige Büroturm „Watermark“, flankiert vom Wohngebäude „Freeport“ und dem Bürogebäude „Shipyard“ – allesamt mit Blick in den Hafen. Die weiß glasierte Keramikelemente, die eine Vielfalt von Platten- und Elementgrößen ermöglichen und die Vertikale betonen, erzeugen nicht nur einen markanten Wiedererkennungseffekt, sondern lassen ein eigenständiges, helles Quartier entstehen. Dafür wurde ein System entwickelt, bei dem ein vorgefertigtes Fassadenelement gleich zwei Geschosse einkleidet.

 


© Jochen Stueber Hamburg 

 


© Jochen Stueber Hamburg 

 

Das letzte vorgestellte Projekt ist der Zeisehof in Hamburg Ottensen, ein hippes, gut funktionierendes Stadtviertel der Hansestadt, in dem es noch viel kleinstrukturierten Altbestand gibt. Der zentral gelegene Zeisehof greift den urbanen Flair mit seinen Klinkerfassaden auf und interpretiert das Material neu – unaufgeregt, behutsam, geradlinig und doch selbstbewusst. Martin Murphy spricht hier von einer „Architektur mit wenig Lautstärke“. Die starke Bezugnahme zum historisch gewachsenen Kontext industrieller Fabriksarchitektur ist selbsterklärend und nur eine logische Konsequenz, wenn man auf den Ort und die Geschichte, die er erzählt, eingehen will. Im Inneren schreibt das Architekturbüro ein neues Kapitel: Herzstück des Gebäudes ist das zentrale Atrium, das ein Folienkissendach auf einer gebogenen Holzbinderkonstruktion überspannt. Aber auch hier zählt der menschliche Maßstab und damit das, worauf es wirklich ankommt in der Architektur.

 


© Carsten Brügmann

 


© Carsten Brügmann

 

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